Monat: Februar 2026

Kilchoman Sanaig Test & Tasting

Ein junger, unabhängiger Scotch von Islay, viel Rauch, viel Sherry. Der Kilchoman Sanaig weckt Erwartungen. Die Destille steht für Handwerk, eigene Gerste und klare Kante. Dinge, die in den letzten Jahrzehnten in der Whisky-Welt ein wenig abhanden gekommen sind und nun zurückkehren.

Kilchoman Destille auf Islay – Herkunft des Sanaig Single Malt

Kilchoman ist eine der jüngsten Destillen auf Islay. Gegründet 2005, setzt man hier bewusst auf das Farm-Distillery-Konzept: Ein Teil der Gerste stammt von den eigenen Feldern, gemälzt wird teilweise noch traditionell. Diese Nähe zur Rohware hebt Kilchoman von vielen anderen schottischen Brennereien ab. Im Kern geht es immer um stark getorften Single Malt mit klarer Handschrift. Neben dem bekannten Machir Bay bildet der Sanaig die sherrybetonte Variante im Portfolio.

Herstellung & Eckdaten des Single Malts

Der Kilchoman Sanaig ist ein Islay Single Malt Scotch Whisky ohne Altersangabe, er dürfte zwischen 4-5 Jahren haben. Abgefüllt wird er mit rund 46 % Vol., nicht kühlfiltriert und ohne Farbstoff. Die Reifung erfolgt überwiegend in Oloroso-Sherry-Casks, ergänzt durch Bourbon-Fässer. Die stark getorfte Gerste sorgt für kräftigen Rauch, während die Sherryfässer dunkle Fruchtnoten und Würze einbringen. Preislich liegt der Sanaig meist im Bereich um 40 bis 50 Euro, je nach Händler.

Nase im Kilchoman Sanaig Tasting – Rauch trifft Sherry

In der Nase zeigt sich sofort der typische Islay-Charakter. Rauch steigt auf, aber nicht brachial. Schwer zu sagen, ob es torfig oder medizinisch zugeht, da es schon sehr dezent ist. Dahinter liegen dunkle Früchte, Rosinen, etwas Karamell und würzige Noten aus dem Sherryfass. Mit etwas Zeit kommen maritime Anklänge, Malz und eine leichte Süße durch. Die Aromen wirken insgesamt stimmig und gut verwoben.

Gaumen – Aromen, Rauch und Malz

Am Gaumen trifft süßer Sherry auf trockenen Rauch. Dunkle Beeren, etwas Schokolade, Malz und eine spürbare Würze prägen das Bild. Der Torf bleibt präsent, aber kontrolliert. Der Sanaig wirkt vollmundig, die Fassreifung in Sherry- und Bourbon-Casks bringt Tiefe. Gleichzeitig merkt man seine Jugend: Ein leichtes Kratzen begleitet das Tasting, besonders in Verbindung mit den medizinischen und torfigen Noten.

Finish – Abgang im Kilchoman Sanaig

Der Abgang ist mittellang. Rauch und würzige Sherryaromen bleiben am Gaumen. Dazu gesellen sich trockene Holznoten und eine leichte Bitterkeit. Auch hier zeigt sich die jugendliche Kante noch einmal deutlich.

Fazit zum Kilchoman Sanaig

Der Kilchoman Sanaig ist ein exzellenter Single Malt mit klarer Ausrichtung. Sherry und Rauch sind sehr gut ausbalanciert, der Whisky wirkt insgesamt rund und durchdacht. Der Rauch ist eher dezent eingebunden und erinnert in seiner Art stellenweise leicht an den Bowmore 12, ohne ihn zu kopieren.

Der einzige Minuspunkt ist das junge Alter. Das leichte Kratzen in Kombination mit Rauch, Torf und einer Spur Medizin mindert für mein Empfinden das Gesamterlebnis etwas. Hier fehlt noch ein wenig Reife, um wirklich ganz oben mitzuspielen.

Unterm Strich bleibt ein qualitativ sehr guter Islay Single Malt Scotch mit eigenem Profil, spannenden Aromen und fairem Preis. 80 Punkte. Auf weitere Abfüllungen aus der Kilchoman Destille darf man sich definitiv freuen. Wichtig finde ich hier besonders, dass man auch ein Stück Idealismus kauft in einer Whiksy-Welt, die immer mehr von Konzernen, steigenden Preisen und Massenabfüllungen geprägt ist.

Posted by Chris in Tastings

Smokehead Islay Single Malt im Test

Der Smokehead Islay Single Malt ist ein schottischer Whisky, der von Anfang an keinen Zweifel daran lässt, wohin die Reise geht: Rauch, Torf und eine ordentliche Portion Islay-Charakter. Während viele Whiskys versuchen, möglichst gefällig zu sein, setzt dieser Single Malt bewusst auf Ecken und Kanten. Genau das macht ihn für Liebhaber rauchiger Abfüllungen so interessant.

Er richtet sich klar an Fans von peated Whisky. Wer mit Rauch bislang wenig anfangen konnte, sollte sich langsam herantasten. Wer dagegen genau das sucht, bekommt hier ein sehr ehrliches Tasting-Erlebnis.

Die Destille – die große Unbekannte

Hinter dem Smokehead steht kein klassisches Destillen-Branding. Abgefüllt wird der Whisky von Ian MacLeod Distillers. Von welcher Destille auf der schottischen Insel Islay das Destillat genau stammt, wird offiziell nicht kommuniziert. Diese Zurückhaltung gehört zum Konzept.

Fakt ist: Die Insel Islay steht wie kaum eine andere Region für stark getorfte, maritime Single Malt Whiskys. Rauch, Salz, medizinische Noten und eine gewisse Wildheit sind hier keine Ausnahme, sondern Stilmittel. Genau in diesem Umfeld ist auch der Smokehead zu Hause.

Herstellung und Eckdaten

Der Smokehead ist ein Islay Single Malt ohne Altersangabe. Er reift in Eichenfässern, häufig mit Bourbon-Vorbelegung, was für eine gewisse Süße im Hintergrund sorgt. Abgefüllt wird er mit rund 43 Prozent Alkohol. Er ist nicht kühlgefiltert, enthält jedoch Farbstoff.

Im Vergleich zu vielen klassischen Blended Whiskys setzt er klar auf Intensität statt auf Massenkompatibilität. Das merkt man bereits beim ersten Kontakt im Glas.

Wie riecht der Smokehead?

Schon in der Nase zeigt sich ein kräftiger, rauchiger Charakter. Torf und Lagerfeuer stehen deutlich im Vordergrund. Dahinter kommen maritime Noten zum Vorschein, begleitet von einer frischen, leicht zitronigen Komponente.

Mit etwas Zeit im Glas zeigen sich auch würzige Anklänge und eine feine Süße, die vermutlich aus dem Bourbon Cask stammt. Der Rauch bleibt jedoch das bestimmende Element.

Und wie schmeckt er?

Am Gaumen bestätigt sich der erste Eindruck. Der Smokehead ist intensiv, peated und direkt. Kräftiger Rauch trifft auf eine salzige Note, die typisch für einen schottischen Whisky von der Insel Islay ist.

Dazu gesellen sich Malz, eine leichte Süße und würzige Akzente. Trotz seiner Kraft wirkt der Single Malt nicht unausgewogen. Die Aromen greifen gut ineinander. Wer rauchiger Whisky sucht, bekommt hier genau das, was er erwartet – ohne Umwege.

Wie geht der Smokehead hinunter?

Der Abgang ist mittellang bis lang. Rauch und Torf bleiben präsent, begleitet von einer trockenen Würze. Die maritime Note klingt langsam aus, während eine dezente Eichenstruktur zurückbleibt.

Fazit zum SMOKEHEAD Islay Single Malt

Im SMOKEHEAD Islay Single Malt Test zeigt sich ein Whisky, der klar positioniert ist. Er will kein Everybody’s Darling sein. Stattdessen liefert er eine intensive, rauchige Erfahrung, wie man sie von der Islay Insel erwartet.

Preislich bewegt sich der Smokehead meist im moderaten Bereich und bietet dafür viel Charakter. Für Fans von peated Single Malt Whisky ist er eine interessante Option. Wer einen weichen, süßen Einsteiger-Whiskey sucht, sollte sich hingegen anderweitig umsehen.

★★★★☆

Unterm Strich ist der Smokehead ein ehrlicher, rauchiger Islay Malt mit starkem Auftritt – nichts für jeden, aber genau richtig für Liebhaber kräftiger Whiskys.

Posted by Chris in Tastings

Caol Ila 12 Jahre im Test — wie schmeckt er, was kann er?

Der Caol Ila 12 Jahre ist ein klassischer Single Malt Scotch Whisky von der schottischen Insel Islay. Er steht für einen rauchigen, maritimen Stil, gilt dabei aber als vergleichsweise zugänglich. Genau das macht ihn sowohl für Einsteiger in die Welt der torfigen Whiskys als auch für erfahrene Genießer interessant. Grund genug sich den Single Malt anzuschauen, der neben Größen wie Laphroaig oder Talisker gerne mal übersehen wird.

Eine Grundlagen zu dem Raucher

Die Caol Ila Distillery wurde 1846 gegründet und liegt in Port Askaig an der Ostküste Islays. Der Name bedeutet übersetzt „Sound of Islay“ und verweist auf die Meerenge zwischen Islay und Jura. Heute gehört die Brennerei zum Diageo-Konzern. Lange Zeit wurde ein Großteil der Produktion für Blends verwendet, erst später etablierte sich der 12-jährige als feste Single-Malt-Abfüllung.

Der Caol Ila 12 reift überwiegend in Ex-Bourbon-Fässern. Er wird mit 43 % vol. abgefüllt, ist kühlgefiltert und gefärbt. Stilistisch steht er für einen klaren, geradlinigen Islay-Charakter mit Rauch, Frische und maritimen Einflüssen.

Wie riecht der Caol Ila 12?

In der Nase zeigt sich zunächst eine saubere, frische Rauchigkeit. Dazu kommen maritime Noten, etwas salzige Meeresluft und helle Zitrusaromen. Der Torf ist definitiv da und nichts für schwache Nerven, ohne sich jedoch zu stark in den Vordergrund zu drängen. Insgesamt ein offener Eindruck, ohne die Faust aus dem Moor 🙂

Und wie schmeckt er?

Am Gaumen ist der Caol Ila 12 mittelkräftig und ausgewogen. Rauch und Torf stehen klar im Vordergrund, werden jedoch von einer dezenten Süße begleitet. Vanille, Zitrusnoten und eine leichte Salznuance  sorgen für mehr Struktur. Der Whisky wirkt dabei eher elegant als wuchtig und bleibt gut ausbalanciert.

Der Abgang ist mittellang. Rauch und Meeresbrise klingen noch eine Weile nach, begleitet von leichter Eiche und einer trockenen, salzigen Note.

Fazit zum Caol Ila 12

Der Caol Ila 12 Jahre ist ein klassischer, ausgewogener Islay-Single-Malt. Er bietet Rauch und maritime Aromen, ohne dabei zu extrem zu wirken. Kein Rauchmonster, sondern ein sauberer, gut trinkbarer Islay-Whisky mit Charakter. Zwei Worte: Rauch, unkompliziert.

Preislich liegt er meist im Bereich von etwa 40 bis 50 Euro und bietet dafür ein solides Preis-Leistungs-Verhältnis. Wenn man auf der Suche nach Alternativen ist und rauchige Whiskys mag, kann man hier zugreifen. Eine klare Empfehlung für alle, die einen zugänglichen, rauchigen Whisky suchen – egal ob als Einstieg oder als verlässlicher Dram für zwischendurch.

Posted by Chris in Tastings