Ein günstiger Speyside Single Malt, der mit Sherryfässern veredelt wird. Das klingt zunächst nach einer ziemlich guten Kombination. Schließlich sind Sherry Casks oft ein Garant für intensive Aromen und eine gewisse Tiefe im Whisky. Doch funktioniert das auch bei einem sehr preiswerten Malt? Genau dieser Frage gehe ich im Tamnavulin Sherry Cask Test einmal nach.
Wer steckt hinter dem Tamnavulin Speyside Single Malt?
Die Tamnavulin Distillery liegt in der schottischen Speyside und wurde 1966 gegründet. Lange Zeit produzierte die Brennerei hauptsächlich Whisky für Blended Scotch und blieb als Single Malt eher im Hintergrund.
Heute gehört Tamnavulin zum Spirituosenkonzern Whyte & Mackay. Das Unternehmen ist wiederum Teil der Emperador-Gruppe, einem großen internationalen Spirituosenhersteller.
Reifung im Sherry Cask: Was steckt in der Abfüllung?
Der Tamnavulin Sherry Cask ist ein Speyside Single Malt ohne Altersangabe. Der Whisky reift zunächst in amerikanischen Bourbonfässern und erhält anschließend ein Finish in Sherry Casks. Abgefüllt wird der Scotch mit 40 Prozent Alkohol. Der Whisky ist gefärbt und kühlfiltriert.
Whisky Fakten: Tamnavulin Sherry Cask

- Alter: No Age Statement
- Region: Speyside
- Alkoholgehalt: 40 %
- Fässer: Bourbon + Sherry Cask
- Kühlfiltriert: Ja
- Gefärbt: Ja
- Preis: ca. 25 €
Wie riecht der Tamnavulin Sherry Cask?
In der Nase zeigt sich der Whisky zunächst recht leicht und süß. Typische Sherrynoten sind vorhanden, wirken aber eher zurückhaltend.
Es zeigen sich Aromen von Vanille, Rosinen und ein Hauch Aprikosen. Dazu kommen leichte Fruchtnoten, die an Apfel erinnern. Insgesamt wirkt das Aroma angenehm, aber auch etwas dünn.
Wie schmeckt der Speyside Whisky im Tasting?
Am Gaumen bestätigt sich der erste Eindruck aus der Nase. Der Whisky ist weich und leicht zugänglich, bleibt dabei aber eher schlank.
Süße Noten von Vanille und Sherry dominieren. Dazu kommen leichte Fruchtaromen, ein wenig Eiche und eine dezente Würze. Insgesamt wirkt der Tamnavulin allerdings etwas wässrig und bringt nicht besonders viel Substanz mit.
Gerade die Sherrynoten brauchen normalerweise mehr Körper, um sich richtig zu entfalten. Der Geschmack hält nicht, was die Nase Verspricht
Wie fällt der Abgang aus?
Der Abgang ist kurz bis mittellang. Die süßen Sherryaromen bleiben noch einen Moment erhalten, begleitet von leichter Würze und einem Hauch Eiche.
Große Überraschungen liefert das Finish allerdings nicht.
Fazit: Günstiger Sherry Cask Whisky oder verschenktes Potenzial?
Was soll man sagen. Auf der einen Seite ist der Tamnavulin günstig, deshalb darf man keine Wunder erwarten. Auf der anderen Seite packt man ihn in Sherryfässer. Manche würden sagen: ein wenig Perlen vor die Säue. Nicht böse gemeint. Aber ganz falsch ist der Gedanke nicht.
Dem Whisky fehlt schlicht etwas Substanz. Die Sherrynoten brauchen normalerweise mehr Körper und Tiefe, um wirklich zu glänzen. Dadurch wirkt der Tamnavulin stellenweise etwas wässrig.
Der Vorteil: Scharf ist er nicht. Trotz fehlender Altersangabe bleibt er angenehm mild und eignet sich damit durchaus für Einsteiger. Wenn man ihn einmal für rund 20 Euro sieht, kann man ihn ruhig mitnehmen. Bei 25 Euro würde ich persönlich eher ein paar Euro drauflegen. Für wenig Aufpreis bekommt man oft deutlich mehr Charakter ins Glas.
70 Punkte.
★★★☆☆

